Kleine Variante

Religion und Religiosität stoßen seit jeher Austauschprozesse an. Sie sind Anziehungspunkt, Reibungsfläche und nicht selten Auslöser von Konflikten. Um ihre katalytische Wirkung zu verstehen und für produktiven Dialog zu nutzen, bedarf es historischer Tiefenschärfe und begrifflicher
Klarheit.

DYNAMIKEN DES RELIGIÖSEN
VERSTEHEN, MISSVERSTEHEN,
VERSTÄNDIGUNG

Forschungsverbund der Goethe-Universität Frankfurt


ZUM HINGEHEN

Ins Kloster! Vom Schreiben, Spielen und Bierbrauen in St. Gallen
Prof. Dr. Bernhard Jussen auf der Kinder-Uni, 5. Oktober 2022

Die religiöse Lebensgemeinschaft par excellence ist sicher das mittelalterliche Kloster. Doch auch hier lebten Mönche und Nonnen einer engen Nachbarschaft mit Laien und Laiinnen – unter ihnen auch viele Kinder. Im Rahmen der Kinder-Uni stellt Bernhard Jussen, PI bei „Dynamiken des Religiösen“ das Klosterleben in St. Gallen vor. 

Anmeldung bis 20. September. Mehr gibt es hier.

ZUM FORSCHEN

Athenaheiligtum in Priene

Zwischen „Tränenfläschchen“ und Athenatempel
Ausgrabungen in Priene in der Westtürkei

Seit 2014 erforschen klassische Archäolog*innen der Goethe-Universität gemeinsam mit Kolleg*innen der Uludağ-Üniversitesi Bursa die griechisch-römischen Hinterlassenschaften der Stadt Priene. Dort befassen sie unter anderem mit dem in der Antike weltberühmten Athenatempel. Diesen Sommer wird zudem eine an einem Felshang gelegene, eingestürzte Kulthöhle samt der vor ihr ausgegrabenen „Tränenfläschchen“ untersucht. Mehr Informationen und Bilder gibt es hier.

KURZE LINIE UNSERE FORSCHUNG

Im Forschungsverbund Dynamiken des Religiösen“ untersuchen wir, Wissenschaftler*innen aus neun geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Prozesse von Verstehen, Missverstehen und Verständigung in religiösen Kontexten. Wir fragen danach, wie sich diese Dynamiken historisch und konzeptuell fassen lassen und ergründen, welche politisch-sozialen, rationalen und emotionalen Voraussetzungen Verständigung braucht. Hierfür untersuchen wir den Umgang mit Mehrstimmigkeit innerhalb religiöser Gemeinschaften, befassen uns mit der kreativen Kraft von Missverständnissen  und blicken auf „religiöse Nachbarschaften“, also darauf, wie religiöse Gruppen auf Überschneidungen in Glaubensinhalten und -praktiken, aber auch auf räumliche Nähe zueinander reagieren.


ZUM LESEN


„Paradoxe der Parrhesie. Eine antike Wortgeschichte“
Neues Buch von Althistoriker Hartmut Leppin 

Das von Michel Foucault für die moderne Demokratietheorie fruchtbar gemachte alt-griechische Wort „parrhēsia“ verweist einerseits auf den Sprechakt (rhēsis) und anderseits auf die griechischen Wörter für „jeden“ (pas) bzw. „alles“ (pan). Ihm scheint damit das Versprechen einer allgemeinen Redefreiheit innezuwohnen. In seinem im Juli 2022 erschienenen Buch untersucht Hartmut Leppin die Bedeutungsspanne des Wortes und seine sich wandelnden Geltungsansprüche von der attischen Demokratie bis in die Spätantike. Er blickt hierbei auch auf jüdische und christliche Ausdeutungen der Parrhesie.

„Paradoxe der Parrhesie“ ist bei Mohr Siebeck erschienen.

ZUM HINGEHEN

Podiumsdiskussion, Historisches Museum Frankfurt, 3. November 2022, 19:00 Uhr

Religion im Ukraine-Krieg. Historische und regionale Perspektiven

Die russische Seite rechtfertigt ihren Angriffskrieg gegen die Ukraine immer wieder durch die historisch-religiösen Verbindungen zwischen beiden Staaten und sieht ihre Haltung durch die kremltreue Line des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill bestärkt. Die Diskussionsrunde blickt aus geschichts- und religionswissenschaftlicher Perspektive auf diese Argumentationsmuster und setzt sie zur tatsächlichen religiösen Vielfalt der Region und den hiermit verbundenen zivilgesellschaftlichen Interaktionen in Beziehung. Mehr gibt es hier.

ZUM LESEN

Ukraine-Fellow Svitlana Potapenko im Porträt

Die Historikerin Svitlana Potapenko ist derzeit Gastwissenschaftlerin und Ukraine-Fellow bei unserem Teilprojekt POLY, wo sie ein Projekt zu Kircheneliten in der Ukraine des 18. Jahrhunderts verfolgt. Ein Beitrag auf der Website der Goethe-Universität stellt ihre Forschung und ihren Weg nach Frankfurt vor. Zum Text geht es hier.