Kleine Variante

Religion und Religiosität stoßen seit jeher Austauschprozesse an. Sie sind Anziehungspunkt, Reibungsfläche und nicht selten Auslöser von Konflikten. Um ihre katalytische Wirkung zu verstehen und für produktiven Dialog zu nutzen, bedarf es historischer Tiefenschärfe und begrifflicher
Klarheit.

DYNAMIKEN DES RELIGIÖSEN
VERSTEHEN, MISSVERSTEHEN,
VERSTÄNDIGUNG

Forschungsverbund der Goethe-Universität Frankfurt


ZUM LESEN

„Spannungsgeladen und- interkulturell anschlussfähig“
Interview mit Hartmut Leppin

Anlässlich seiner unlängst erschienenen Monografie „Paradoxe der Parrhesie (Mohr-Siebeck), erklärt Hartmut Leppin im neuen UniReport, was antike Parrhesie von moderner Meinungsfreiheit unterscheidet und geht darauf ein, wie der Begriff auch christliche Vorstellungen von Gebet und Märtyrertum beeinflusste. Zum UniReport geht es hier; das Interview findet sich auf S. 14.

ZUM FORSCHEN

Foto: Michael Greenhalgh, Attribution, via Wikimedia Commons

Ein weitgehend übersehenes Regierungssystem
Neues Forschungsprojekt untersucht päpstliches Gnadenregime im 17. Jahrhundert

Birigt Emich, Sprecherin von „Dynamiken des Religiösen“ und Bruno Boute (POLY) haben zusammen mit Kolleg*innen vom DHI Rom, der École Nationale des Chartes, der Université de Reims-Champagne-Ardenne und der École française de Rome den Zuschlag für das internationale Forschungsprojekt „GRACEFUL17: Global Governance, Local Dynamics. Transnational regimes of grace in the Roman Dataria Apostolica“ erhalten, das unter anderem durch die DFG gefördert wird. Mehr

KURZE LINIE UNSERE FORSCHUNG

Im Forschungsverbund Dynamiken des Religiösen“ untersuchen wir, Wissenschaftler*innen aus neun geisteswissenschaftlichen Disziplinen, Prozesse von Verstehen, Missverstehen und Verständigung in religiösen Kontexten. Wir fragen danach, wie sich diese Dynamiken historisch und konzeptuell fassen lassen und ergründen, welche politisch-sozialen, rationalen und emotionalen Voraussetzungen Verständigung braucht. Hierfür untersuchen wir den Umgang mit Mehrstimmigkeit innerhalb religiöser Gemeinschaften, befassen uns mit der kreativen Kraft von Missverständnissen  und blicken auf „religiöse Nachbarschaften“, also darauf, wie religiöse Gruppen auf Überschneidungen in Glaubensinhalten und -praktiken, aber auch auf räumliche Nähe zueinander reagieren.


ZUM HINGEHEN

Space and Religion
Vorlesungsreihe der Forschungsgruppe POLY, Wintersemester 22/23

Der sogenannte „Spatial Turn“, also die geistes- und sozialwissenschaftliche Hinwendung zum Raum als kultureller Größe, hat in der Geschichtswissenschaft das Bewusstsein dafür geschärft, dass auch religiöse Gemeinschaften im Raum verortet waren. Die Veranstaltungsreihe geht unter anderem Fragen danach nach, wie religiöse Akteure der Frühen Neuzeit Räume wahrnahmen, wie sich ihre Vorstellungen unterschieden und wie Migration, Exil und transatlantische Kontakte darauf rückwirkten. In den Blick kommen dabei vielfältigen Regionen, die sich von Griechenland über den Donauraum und die Ukraine bis nach China erstrecken.

ZUM BEWERBEN

Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

Förderung Studienaufenthalten an der Goethe-Universität
Bewerbungsfrist ist der 14. Februar 2023

„Dynamiken des Religiösen“ nimmt am GREP-Programm der Goethe-Universität teil. Das Programm fördert Aufenthalte auswärtiger Studierender in Frankfurt mit einem Stipendium von 900 Euro pro Monat zuzüglich eines Reisekostenschusses von bis zu 1000 Euro. An Religion interessierte Studierende können so in den Forschungsverbund eingebunden werden und zudem ECTS-Credits erwerben. Mehr.

ZUM HINGEHEN

Internationale Konferenz, 13. bis 16. Februar 2023, Campus Westend

The Christian Mission and the Religious Other: Multidirectional Perspectives in the Long Early Modern Period

Die Konferenz blickt auf die literarischen, kulturellen und theologischen Übersetzungsprozesse, die christlichen Evangelisierungsstrategien innewohnen, und beleuchtet die Rolle der missionarischen Begegnungen im interkulturellen Austausch. Sie erforscht die unterschiedlichen Reaktionen derjenigen, die Christen zu missionieren versuchten, um nuanciert die Dynamiken solcher interreligiösen Kontakte aufzuzeigen. Mehr

ZUM STUDIEREN

Bild von LoggaWiggler auf Pixabay

Aesthetic approaches between the Byzantine, early Islamic and early Christian world
Neues Projekt der vorderasiatischen Archäologie fördert studentischen Austausch

Gemeinsam mit Sergei Mariev (Mainz) und Fateme Rahmati (Frankfurt) hat Dirk Wicke, PI bei „Dynamiken des Religiösen“, eine DAAD-Förderung für das Projekt „Aesthetic approaches between the Byzantine, early Islamic and early Christian world” eingeworben. In kommenden Jahren sollen gemeinsam mit den türkischen Kooperationspartnern, der Boğazici-Universität Istanbul und der Atatürk-Universität Erzurum, studentische Exkursionen, digitale Lehrveranstaltungen sowie eine virtuelle und eine „reale“ Ausstellung organsiert werden. Inhaltlich stehen die intensiven Kulturkontakte zwischen Orient und Okzident im ersten Jahrtausend im Zentrum.